Tinnitus nach einem Unfall: Wenn Kopf, Nacken und Innenohr beteiligt sind

Aktualisiert: 21. Aug.
Ein Tinnitus nach einem Unfall kann verschiedene Ursachen haben, denn bei einem Sturz oder Schlag auf den Kopf kann das Innenohr betroffen sein, auch wenn äußerlich keine Verletzung zu sehen ist, während nach einem Schleudertrauma häufig der Nacken und die Verarbeitung von Hörreizen im Vordergrund stehen.
Zu den körperlichen Folgen kommt der Schreck des Unfalls, der im Nervensystem noch lange nachwirken kann. Bevor wir über eine Behandlung sprechen, muss deshalb geklärt werden, welche dieser Ebenen beteiligt ist und wo die Beschwerden ihren Ausgang genommen haben.

Die ärztliche Abklärung steht immer am Anfang
Nach einem Unfall sollte ein neu aufgetretener Tinnitus selbstverständlich zunächst schulmedizinisch abgeklärt werden, wobei je nach Art und Schwere des Unfalls eine HNO-ärztliche Untersuchung, eine Hördiagnostik und, wenn erforderlich, bildgebende Verfahren dazugehören.
Unsere Arbeit beginnt, wenn akute Verletzungen ausgeschlossen sind, die Beschwerden trotzdem fortbestehen und schulmedizinisch keine weitere Behandlung angeboten wird. Dann schauen wir genauer hin und prüfen, ob das Innenohr, der Nacken, die Hörverarbeitung oder das Nervensystem an dem fortbestehenden Tinnitus beteiligt sein können.
Tinnitus nach Unfall: Folgen für Innenohr und Hörverarbeitung
Bei einem Sturz oder Schlag auf den Kopf wirken innerhalb eines sehr kurzen Augenblicks erhebliche Kräfte auf Schädel und Gehirn, die sich bis in das Innenohr übertragen können. Danach treten mitunter eine Hörminderung, ein Druckgefühl oder Schwindel auf, manchmal begleitet von einem Tinnitus, der vorher nicht vorhanden war.
Ein Hörtest misst, welche Töne in welcher Lautstärke gehört werden, gibt aber keine Antwort darauf, warum eine Hörzelle oder die weitere Verarbeitung eines Hörreizes nicht richtig arbeitet. Auch ein unauffälliger Befund besagt zunächst nur, dass mit den üblichen Untersuchungen keine Ursache gefunden wurde.
Für unsere weitere Arbeit ist deshalb wichtig, was sich seit dem Unfall verändert hat, wie sich der Tinnitus verhält und ob zugleich Beschwerden im Nacken oder Schwierigkeiten bei der räumlichen Einordnung von Geräuschen aufgetreten sind.
Tinnitus nach einem Schleudertrauma
Nach einem Schleudertrauma können Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel und Tinnitus nebeneinander auftreten, selbst wenn die bildgebenden Untersuchungen keine behandlungsbedürftige Verletzung zeigen, denn nicht jede funktionelle Störung lässt sich auf einem Bild erkennen.
Wenn sich der Tinnitus bei Bewegungen des Kopfes oder Kiefers verändert oder Nackenschmerzen und Tinnitus zur gleichen Zeit aufgetreten sind, kann der Bewegungsapparat an den Beschwerden beteiligt sein. Als einzelnes Zeichen beweist eine solche Veränderung noch nicht, dass der Tinnitus aus dem Nacken kommt, sie gibt uns aber einen Hinweis, dem wir in der Anamnese weiter nachgehen.
Ausgeprägte Beschwerden oder Verletzungsfolgen am Bewegungsapparat gehören in die Hände eines Orthopäden, Physiotherapeuten oder Osteopathen, der mit diesen Zusammenhängen vertraut ist. Wenn die entsprechende Indikation vorliegt, kann ich die Behandlung in unserer Praxis ergänzen und die hochdosierte Low-Level-Lasertherapie auch im Bereich der Halswirbelsäule einsetzen.
Richtungshören und Körperstatik
Nach einem Unfall prüfen wir neben dem Hörvermögen, ob Geräusche noch zuverlässig aus der richtigen Richtung wahrgenommen werden, denn ein gewöhnlicher Hörtest erfasst diese räumliche Fähigkeit nicht. Mit dem Naturschallwandler können wir untersuchen, ob eine Hör-Dysbalance besteht oder die Ortung im Raum Schwierigkeiten bereitet.
Wenn sich dabei eine Auffälligkeit zeigt, arbeiten wir mit einem speziellen Ortungstraining, das in unserer Praxis zum Hörtraining für die Hörregeneration gehört. Dabei beziehen wir mit sehr sanften Verfahren auch die Körperstatik sowie die Kopf- und Schulterachse ein, weil räumliches Hören und körperliche Orientierung eng miteinander verbunden sind.
Ausführlicher beschreibe ich das Zusammenspiel von Körpergeometrie, räumlicher Ortung und Hörverarbeitung auf unserer Seite zur Hörregeneration.
Die Behandlung richtet sich nach dem Befund
Welche Behandlung an erster Stelle steht, hängt davon ab, was wir in der Anamnese und bei den weiteren Untersuchungen finden. Gibt es Hinweise auf eine Beteiligung des Innenohrs, arbeite ich am Ohr mit der hochdosierten Low-Level-Lasertherapie bei Tinnitus; zeigen sich Schwierigkeiten mit der räumlichen Ortung, kommt das Hörtraining mit dem Naturschallwandler zum Einsatz.
Hat sich der Schreck des Unfalls im Nervensystem festgesetzt und reagiert der Körper noch immer auf das zurückliegende Ereignis, kann meine Frau Katharina im Rahmen der Regulation des Nervensystems mit EMDR an dieser Belastung arbeiten. In der Praxis sind diese Ebenen häufig nicht sauber voneinander getrennt, weshalb wir die Verfahren entsprechend dem individuellen Befund miteinander verbinden.
Ein möglicher nächster Schritt
Wenn Sie zunächst selbst einordnen möchten, welche Ebenen bei Ihrem Tinnitus eine Rolle spielen könnten, können Sie unseren kostenlosen Tinnitus-Check nutzen. Die 13 Fragen dauern etwa vier Minuten und ersetzen keine Diagnose, geben Ihnen aber eine erste Orientierung für die nächsten Schritte.
Am Ende des Checks gelangen Sie zum Tinnitus-Kompass, in dem wir fünf unterschiedliche Tinnitus-Typen, die drei Säulen unserer Behandlung und drei Übungen für zu Hause beschreiben. Der Kompass wird Ihnen kostenlos per E-Mail zugeschickt.
Herzliche Grüße
Ihr Boris Seedorf




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