Hörsturz: Was jetzt wichtig ist
- Boris Seedorf

- vor 2 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 23 Stunden
Es passiert oft ohne Vorwarnung: Plötzlich ist ein Ohr wie abgedämpft, das Hören fühlt sich seltsam verändert an, wie "in Watte gepackt" und manchmal verbunden mit einem Druckgefühl, Ohrgeräuschen oder Schwindel.
Was ist ein Hörsturz?
Ein Hörsturz ist ein plötzlicher, meist einseitiger Hörverlust, der ohne erkennbare äußere Ursache auftritt. Betroffen sind die Haarzellen im Innenohr, die für die Schallverarbeitung zuständig sind. Wenn diese Zellen plötzlich nicht mehr ausreichend durchblutet oder mit Energie versorgt werden, kann das Hörvermögen innerhalb von Minuten bis Stunden drastisch abnehmen.

Typische Begleitsymptome eines Hörsturzes können sein:
Druckgefühl oder Völlegefühl im betroffenen Ohr
Tinnitus – Ohrgeräusche wie Piepen, Rauschen oder Klingeln
Schwindel oder Benommenheit
Verzerrtes oder dumpfes Hören (Dysakusis)
Was tun bei Hörsturz?
Das Innenohr ist ein hochspezialisiertes und empfindliches Organ. Die Haarzellen haben eine immense Regenerationsfähigkeit – doch je länger sie unterversorgt bleiben, desto größer ist die Gefahr eines dauerhaften Hörverlustes. Aus diesem Grund empfiehlt sich zügiges Handeln.
Was Sie bei einem Hörsturz in den ersten Stunden tun sollten:
Ruhe bewahren. Stress und Panik verschlechtern die Durchblutung zusätzlich.
Arzt oder HNO sofort aufsuchen. Idealerweise noch am selben Tag. Ein Hörsturz ist ein medizinischer Notfall.
Schutz: Das akut Überforderte Innenohr benötigt Schutz vor Lautstärke. Für mich ist eine sofortige Anwendung von Gehörschutz für das betroffene Ohr eine essentiell wichtige Maßnahme.
Körperliche Schonung. Kein Sport, kein Lärm, keine großen Belastungen.
Krankschreibung bei Hörsturz – macht das Sinn?
Kurze Antwort: Ja, in den meisten Fällen ist sie medizinisch sinnvoll und wichtig.
Warum Krankschreibung sinnvoll ist
Stress ist einer der Hauptauslöser des Hörsturzes und gleichzeitig der größte Feind der Erholung. Wer direkt nach dem Hörsturz weiterarbeitet, hält genau das aufrecht, was das Innenohr unter Druck gesetzt hat.
Konkret spricht folgendes für eine Krankschreibung:
Körperliche Schonung ist Therapie. Das Innenohr kann schwerer regenerieren, wenn der Körper im Dauerstress bleibt. Ruhe ist keine passive Maßnahme – sie ist aktiver Teil der Heilung.
Lärm am Arbeitsplatz – Bürolärm, Telefonate, Großraumbüro, Maschinen – ist für ein geschädigtes Innenohr eine zusätzliche Belastung, die die Regeneration behindern kann.
Psychischer Druck durch Arbeit, Meetings und Verantwortung hält den Cortisolspiegel erhöht und Cortisol verschlechtert die Durchblutung des Innenohrs weiter.
Konzentration auf Behandlung. Kortison, Infusionen, Lasertherapie, Ruhe: All das funktioniert besser, wenn der Körper nicht gleichzeitig Arbeitsleistung erbringen muss.
Was mir damals geholfen hat – meine persönliche Erfahrung
Ich selbst habe einen Hörsturz erlebt auf einem Ohr, das bereits Jahre zuvor durch einen Schlag einen hochfrequenten Tinnitus entwickelt hatte. Diese Erfahrung hat mich als Heilpraktiker tief geprägt und letztlich dazu geführt, mich auf die Behandlung von Innenohrproblemen zu spezialisieren.
Was mir in dieser Zeit wichtig war und was ich rückblickend als hilfreich erlebt habe – ohne dabei Versprechungen für andere zu machen, denn jeder Hörsturz ist individuell:
Das betroffene Ohr sofort schützen.
Lärm ist für ein geschädigtes Innenohr eine zusätzliche Belastung. Ein einfacher Gehörschutz kann dazu beitragen, das Ohr in der akuten Phase vor weiteren Reizen zu bewahren – besonders in lauten Umgebungen.
Magnesium hochdosiert.
Magnesium ist an der Regulation der Blutgefäße beteiligt und wird in der Forschung im Zusammenhang mit der Innenohrversorgung diskutiert. Ich habe Magnesium in hoher Dosierung eingenommen – als unterstützende Maßnahme. Ob und wie das bei anderen hilft, lässt sich pauschal nicht sagen.
Hochdosierte Low-Level-Lasertherapie (LLLT).
Die gezielte Anwendung von Laserlicht auf das Innenohr ist ein zentraler Baustein meiner therapeutischen Arbeit geworden und eine Methode, die ich auch selbst erfahren habe. Die Lasertherapie zielt darauf ab, die Zellen im Innenohr zur Regeneration anzuregen und die Energieversorgung zu verbessern. Mehr zur Low-Level-Lasertherapie in unserer Praxis finden Sie auf unserer Angebotsseite.
Meine Geschichte als Heilpraktiker und Betroffener: Über Boris Seedorf
Was passiert nach der Akutphase des Hörsturzes?
Die schulmedizinische Behandlung eines Hörsturzes erfolgt in der Regel mit Kortison, entweder als Tablette oder direkt ins Mittelohr injiziert. Diese Therapie zielt darauf ab, Entzündungsreaktionen zu hemmen und die Durchblutung zu verbessern. Weiter unten widmet sich dieser Artikel noch genauer dem Thema Kortison bei Hörsturz.
Doch was, wenn das Hörvermögen nach der Akutbehandlung nicht vollständig zurückkehrt? Oder wenn sich begleitend ein Tinnitus entwickelt hat, der nicht wieder verschwindet? Genau hier setzt unsere Arbeit in der Tinnituspraxis Seedorf an.
Mit der Innenohr-Regenerations-Therapie (IRT) begleiten wir Patienten, die nach einem Hörsturz mit verbleibendem Tinnitus, Schwerhörigkeit oder Hyperakusis zu kämpfen haben. Die IRT kombiniert hochdosierte Low-Level-Lasertherapie zur Zellstimulation, gezielte Regulation des Nervensystems sowie ein individuell abgestimmtes Hörtraining. Ziel ist es, die Innenohrfunktion bestmöglich zu unterstützen.
Kortison beim Hörsturz – wie wirksam ist die Standardtherapie?
In den meisten Arztpraxen und Kliniken ist die Antwort auf einen Hörsturz schnell gefunden: Kortison. Die Therapie gilt seit Jahrzehnten als Standard. Doch wie gut ist diese Behandlung eigentlich wissenschaftlich belegt?
Die Antwort ist ernüchternder, als viele Patienten vermuten.
Ein systematischer Review der Cochrane Collaboration von Wei et al. kam in seiner aktualisierten Fassung 2013 zu dem Schluss, dass die vorhandenen randomisierten Studien keine belastbare Evidenz für einen klaren Nutzen von Steroiden beim idiopathischen Hörsturz liefern. Zugleich war die Evidenzlage insgesamt zu schwach und widersprüchlich, um sichere gegenteilige Schlüsse zu ziehen. (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23818120/)
Noch deutlicher wurde es durch die bislang größte Hörsturzstudie überhaupt: Die HODOKORT-Studie, die von 2016 bis 2024 an 39 deutschen Kliniken durchgeführt wurde, kam zu einem aufsehenerregenden Ergebnis. Hochdosiertes Kortison – wie es in Deutschland jahrelang bevorzugt eingesetzt wurde – zeigte keinen Vorteil gegenüber einer niedrigdosierten Behandlung. Im Gegenteil: Patienten mit niedrigerer Dosierung erholten sich tendenziell besser. Studienleiter Prof. Dr. Stefan Plontke von der Uniklinik Halle erklärte dazu öffentlich, die Ergebnisse werfen die Frage auf, ob die bisherige Standardtherapie überhaupt wirksam ist. (Quelle: Plontke et al., NEJM Evidence, Januar 2024)
Ein weiterer Punkt: Bei systemischer Gabe, also als Tablette oder Infusion, gelangt nur ein verschwindend geringer Anteil des Wirkstoffs tatsächlich ins Innenohr, da die Schranke zwischen Blutkreislauf und Innenohr besonders dicht ist.
Das bedeutet nicht, dass Kortison grundsätzlich falsch oder schädlich ist. Die Kurzzeittherapie gilt als gut verträglich, und ein Teil der Patienten profitiert möglicherweise davon. Es bedeutet aber: Der Hörsturz ist eine Erkrankung, bei der die Medizin noch keine gesicherte Therapie kennt. Und genau das ist der Grund, warum es so wichtig ist, möglichst viele sinnvolle Ansätze zu kennen und zu kombinieren, anstatt sich allein auf eine Standardbehandlung zu verlassen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich umstritten bleibt.
Häufige Fragen zum Hörsturz
Kann ein Hörsturz von alleine heilen?
In manchen Fällen erholt sich das Gehör teilweise von selbst, besonders wenn schnell gehandelt wird. Es gibt jedoch keine Garantie, und ohne Behandlung ist das Risiko eines dauerhaften Hörverlustes erhöht. Warten ist keine Strategie.
Wie lange dauert ein Hörsturz?
Die Akutphase kann wenige Stunden bis mehrere Tage dauern. Wie viel Hörvermögen zurückkehrt, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem davon, wie schnell eine Behandlung eingeleitet wurde.
Kann Stress einen Hörsturz auslösen?
(Spezifischer) Stress gilt als einer der häufigsten Risikofaktoren. Er beeinflusst die Durchblutung und die Versorgung des Innenohrs negativ. Viele Betroffene berichten, dass ihr Hörsturz in einer besonders belastenden Lebensphase aufgetreten ist. Hier kann begeitend sehr gut mit sehr individuell angewendetem EMDR arbeiten. Je weniger spezifischer und unspezifischer Stress wirkt, desto besser kann das Ohr regenerieren. Hier können Sie mehr darüber lesen.
Wenn Sie sich fragen, was Sie selbst bei einem Hörsturz konkret tun können, habe ich das hier übersichtlich zusammengefasst.
Sie hatten einen Hörsturz? Wir sind für Sie da.
Wenn Sie nach einem Hörsturz mit anhaltenden Beschwerden wie Tinnitus, vermindertem Hörvermögen oder Schwindel zu kämpfen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung – in unserer Praxis in Ahrensburg bei Hamburg oder auch online, wenn Sie nicht in der Nähe wohnen.
Vereinbaren Sie gerne einen Termin oder nehmen Sie unverbindlich Kontakt auf.
Herzliche Grüße
Boris Seedorf




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